Der Spiegel meldete es heute: Der Zivi geht, die Arbeit bleibt. Diese Erkenntnis ist weder neu noch war sie unvorhersehbar. Dagegen getan hat jedoch kaum jemand etwas.
Ich habe meinen Zivildienst damals 13 Monate absolvieren sollen, musste nach einer Kürzung dann nur noch 12 Monate Dienst tun. Es folgen weitere Verkürzungen, und nicht nur in meiner Dienststelle wurden diese mit Sorge betrachtet. „Das wird ein Problem werden“, erkannten schon damals auch meine Zivikollegen. Es sollte so kommen.
Gerade mal einen Monat dauert die Aussetzung der Wehrpflicht an. Und was ist das Ergebnis? Das von Betroffenen schon vor Jahren daherorakelte Chaos. Die heutige Leistungsorientierung (kurze Schulzeit, schneller im Beruf, längere Lebensarbeitszeit, weniger soziale Verantwortung, weniger Orientierung und Rückhalt) hat eine der in meinen Augen für die Gesellschaft werterhaltende Zeit gestrichen und bietet keinen adäquaten Ersatz. Weder für die Gesellschaft noch für die betroffenen Arbeitgeber oder die Betreuten.
Mir hat das Jahr Zivildienst nicht geschadet; vermutlich hätte ich sonst wohl nie mit so vielen Facetten alter Menschen zu tun gehabt und würde nicht wissen, was Alzheimer aus einem Menschen machen kann oder wie wichtig es ist, mit einem Schlaganfallpatienten im Rollstuhl in den Wald zu fahren und die Aussicht über den Ort zu genießen.
Ganz davon abgesehen, dass man meiner Meinung nach das Grundgesetz nicht durch „Aussetzung“ mal eben betüddeln kann, sollte man die Geschichte ganz schnell kassieren, das hat mit den Websperren (auch so ein Unsinn) auch geklappt.