Archiv des Autors: mdiedrich

Stuttgart 21/Geißler & der „totale Krieg“

Herr Geißler hat wohl ein Zitat Goebbels verwandt, um aufzurütteln. Das mag geschickt sein – oder eben auch nicht. Ich persönlich habe die Debatte nicht besonders intensiv verfolgt, weil ich Herrn Geißler unterstelle, dass er den S21-Konflikt aufzuarbeiten versucht und nicht irgendeine Nazi-Polemik verharmlosen möchte. Genau das wird ihm jetzt aber vorgeworfen. Und zwar quer durch die Bank weg durch alle Medien. Aber ja, es ist sicherlich ungeschickt, während eines Interviews anzugeben, man wüsste nicht, von dem der Spruch stamme, wenn man Heiner Geßler ist.

Ich selber habe einmal für die Frage, warum man am Befreiungs-Gedenktag eines KZs die Flaggen auf HALBmast flaggt, tatsächlich Drohungen erhalten, nach denen ich dem Absender „… besser nicht um Dunkeln begegnen sollte“. So weit sind wir heutzutage: Man hinterfragt nicht mehr den Gedanken oder das Ziel, das derjenige hat, sondern zerreibt sich an der Aussage. Ich für meinen Teil wäre dafür, an einem Gedenktag zur Befreiung eines Konzentrationslagers respektive seiner Insassen nicht auf Halbmast, sondern voll zu flaggen. Man sollte sich daran freuen, und nicht gesenkten Hauptes herum laufen!

Tages-Nachrichten schnell kommentiert

SpOn: Tepco misst Rekord-Strahlungswert. Insgesamt ein epic fail, sofern man eine Messung nach einem Super-GAU noch epischer nennen kann als den Super-GAU einer Kernschmelze selber…:

Mehr als zehn Sievert pro Stunde betrug die Strahlung am Boden eines Abzugsrohrs zwischen den Reaktoren 1 und 2, wie die Agentur Jiji Press am Montag meldete. (…) Die Ursache für die neue Rekordstrahlung wurde laut einem Tepco-Sprecher am Montag noch geprüft. (Spiegel Online, Link oben)

SpOn: Schlips-Code an Schulen – der zitierten Aussage kann ich wenig hinzufügen. Was Wettbewerb im Bildungswesen verursacht, sehen wir seit dem verkürzten Abitur an Gymnasien und seit Bologna und „Exzellenzinitiativen“ an Hochschulen.

Das System sei rückschrittlich und würde vielleicht den Wettbewerb fördern, aber nicht den Unterricht verbessern.

SpOn: Viele Fachkräfte sind arbeitslos. Prinzipiell mein Reden und scheinbar doch nicht nur ein diffuses Gefühl meinerseits. (vgl. auch die taz).

Vermutlich Hintertür in Crypto-NAS. So macht man sich Freunde und kann langfristig den Markt für sich erobern. Selbst wenns eine „harmlose“ Ursache hat – die Anfrage nicht zügig und umfassend zu beantworten, weckt nicht besonders viel Vertrauen.

Polizeipräsenz und soziales Verhalten im Internet: Laut wurde es um SPD und CxU in den Tagen nach Bomben und Amoklauf von Norwegen. Der Chef der einen fordert jetzt mehr Beteiligung der „Internet-Community“, schließlich wären Beleidigung, Mobbing und Aufruf zu Straftaten auch im Inernet eben solche. Ach. Die schwarzen Gegenspieler wiederum wären Pawlow gute Studienobjekte gewesen: „Anschlag!“ – „ÜBERWACHUNG! VDS! DAS INTERNET IST BÖSE!“. Gute Reflexe.

 

Emnid: Repräsentative Umfrage unter 504 Personen…

Die BamS hat eine „repräsentative Umfrage unter 504 Bundesbürgern“ redaktionell veröffentlicht:

  • 79% wollen keine Schusswaffen in privaten Haushalten
  • 80% wollen mehr Internet-Kontrolle, allen voran Frauen und Unionswähler
  • 68% wollen ein NPD-Verbot, 81% aller Unionswähler wollen dies
  • 64% sind für ein Killerspiel-Verbot

Link (kein Hotlink): http://www.bild.de/politik/inland/umfrage/nach-norwegen-massaker-deutsche-gegen-schusswaffen-in-privat-haushalten-19141612.bild.html

Frage: Welche Fragen wurden gestellt, wie repräsentativ sind 504 Personen und hat man vorher eingeleitet mit: „Nach den schrecklichen Anschlägen von Norwegen und in Gedenken an Bad Kleinen, was denken Sie über…“?

Der Bundesfreiwilligendienst: Eine Totgeburt?

Der Spiegel meldete es heute: Der Zivi geht, die Arbeit bleibt. Diese Erkenntnis ist weder neu noch war sie unvorhersehbar. Dagegen getan hat jedoch kaum jemand etwas.

Ich habe meinen Zivildienst damals 13 Monate absolvieren sollen, musste nach einer Kürzung dann nur noch 12 Monate Dienst tun. Es folgen weitere Verkürzungen, und nicht nur in meiner Dienststelle wurden diese mit Sorge betrachtet. „Das wird ein Problem werden“, erkannten schon damals auch meine Zivikollegen. Es sollte so kommen.

Gerade mal einen Monat dauert die Aussetzung der Wehrpflicht an. Und was ist das Ergebnis? Das von Betroffenen schon vor Jahren daherorakelte Chaos. Die heutige Leistungsorientierung (kurze Schulzeit, schneller im Beruf, längere Lebensarbeitszeit, weniger soziale Verantwortung, weniger Orientierung und Rückhalt) hat eine der in meinen Augen für die Gesellschaft werterhaltende Zeit gestrichen und bietet keinen adäquaten Ersatz. Weder für die Gesellschaft noch für die betroffenen Arbeitgeber oder die Betreuten.

Mir hat das Jahr Zivildienst nicht geschadet; vermutlich hätte ich sonst wohl nie mit so vielen Facetten alter Menschen zu tun gehabt und würde nicht wissen, was Alzheimer aus einem Menschen machen kann oder wie wichtig es ist, mit einem Schlaganfallpatienten im Rollstuhl in den Wald zu fahren und die Aussicht über den Ort zu genießen.

Ganz davon abgesehen, dass man meiner Meinung nach das Grundgesetz nicht durch „Aussetzung“ mal eben betüddeln kann, sollte man die Geschichte ganz schnell kassieren, das hat mit den Websperren (auch so ein Unsinn) auch geklappt.

Fachkräftemangel… Konzept der BA: Ausländische Ings, inländische Handlanger

Ja, der Titel ist ein wenig überspitzt. Wenn ich aber den etwas süffisant lächelnd wirkenden Chef der BA in diesem Artikel des Spiegel online sehe, fehlt mir einiges an Verständnis für dessen Aussagen.

Ich möchte nicht bestreiten, dass wir ein demografisches Problem haben. Auch möchte ich nicht bestreiten, dass nicht jeder zum Ingenieur taugt. Ich muss aber fragen: Wir haben 2,9 Mio. Arbeitslose und 6,4 Mio. Hartz-IV-Empfänger. Das sind 9,3 Mio. Deutsche, die keiner Arbeit nachgehen. Davon sollen zu wenig Leute in der Lage oder willens sein, den Wirtschaftsstandort Deutschland voran zu bringen? Das sollen alles salopp gesagt Handlager („weniger Qualifizierte“) sein, bleiben oder werden? Wir können Qualifikationen nicht „herbeischulen“? Sorry Leute, mit der Einstellung wird das nix.

Dresden, Funkzellen und kein Ende

Fast jeden Tag kommen neue Dinge zum Vorschein. Dresden scheint da einen Dammbruch darzustellen. Umso erfreulicher, dass sich Datenschützer immer mehr dafür einsetzen, das Ausufern der Überwachungen publik zu machen und es per Gesetz einzudämmen. Hoffen wir, dass es bald fruchtet. Langsam müsste jedenfalls auch dem dümmsten Überwachungsbefürworter auffallen, dass es mit „wenn man nix getan hat, hat man auch nix zu befürchten“ nicht mehr getam ist.