Die Telekom will bei Festnetzanschlüssen/DSL nach Erreichen eines Transfervolumens die Leitung drosseln (heise.de). Davon abgesehen dass sich die Frage aufwirft, ob das notwendig ist, ist die Folge davon: Wer Kohle hat und Kohle gibt, kriegt dicke Leistung – wer keine hat, fällt sogar unter die gewünsche Grundversorgung mit schnellem Internet ab, da die Leitung auf unter 1000k gedrosselt werden soll (ich las etwas von 384 kBit/s).
Bei den Fragen und Antworten ergeben sich nun neue Fragen, so dass ich hier mal ein paar Antworten kommentiere:
Warum führt die Telekom auch im Festnetz Volumentarife ein?
Wir wollen den Kunden auch in Zukunft das beste Netz bieten und dafür investieren wir weiterhin Milliarden. Immer höhere Bandbreiten lassen sich aber nicht mit immer niedrigeren Preisen finanzieren. Den Kunden mit sehr hohem Datenaufkommen werden wir in Zukunft mehr berechnen müssen. Volumentarife sind im Mobilfunk längst üblich. Und sie haben den Vorteil, dass nur die Kunden mehr zahlen müssen, die tatsächlich mehr Volumen beanspruchen.
Das Problem: Die mobile Datennutzung ist technisch weitaus aufwändiger als DSL-Nutzung. Es ergeben sich Probleme auf dem Luftweg, außerdem sind zu einem Zugangspunkt viele Benutzer verbunden (alle, die denselben Sendemasten nutzen). Bei DSL gibt es vereinfacht gesagt einzelne Leitungen zu einzelnen Teilnehmern. Zusätzlich gibt es mittlerweile LTE. Es wirft sich mir also die Frage auf, ob das Argument der mobilen Volumentarife tatsächlich stichhaltig sein kann, da die Argumente für die Beschränkung im Mobilfunk auf Kabelverbindungen so nicht anwendbar sind. Schlussendlich kostet auch ein „dickerer“ Anschluss den Kunden mehr, aus einem dickeren Anschluss ergibt sich völlig logisch die Möglichkeit, ein größeres Datenvolumen zu nutzen. Das könnte man vorher bedenken.
Was ist mit Entertain?
Die Nutzung von Entertain wird nicht auf das integrierte Volumen angerechnet. Mit Entertain buchen die Kunden Fernsehen, deshalb müssen wir sicherstellen, dass sie nicht plötzlich vor einem schwarzen Bildschirm sitzen. Bei Entertain handelt es sich zudem um einen Dienst, für den Kunden extra bezahlen.
Wenn die Telekom die Leitungen auch für eigene Dienste verwenden will, dann soll sie sie dicker machen, aber das auf eigene Kosten. Ich nutze keine „Managed Services“, sondern will weiterhin meinen Flatrate-Zugang zum Internet haben. Dafür will ich das bezahlen, was ich bisher bezahlt habe, und dafür die gleiche Leistung behalten. Punkt.
Verstößt die Telekom damit nicht gegen die Netzneutralität?
Nein, denn Entertain und Sprachtelefonie sind im Gegensatz zu Internetdiensten Managed Services, die in einer höheren und gesicherten Qualität produziert und vom Kunden gesondert bezahlt werden. Reguläre Internetdienste werden diskriminierungsfrei nach dem „Best-Effort“-Prinzip behandelt, das bedeutet: so gut es die zur Verfügung stehenden Ressourcen ermöglichen. Das gilt auch für Internetdienste der Telekom.
Ähm … sorry Leute, „best effort“ heißt nicht, dass man seinen Kram bevorzugt und irgendwann (=zu einem beliebigen, durch das Erreichen einer willkürlich gezogenen Datenmenge daherorakelten Zeitpunkt) einen Hahn halb zudreht. Sinnvoller scheint mir da, die ewig schnelleren Zugänge nicht noch schneller zu machen, sondern bei meinetwegen DSL 16000 zu bleiben (in der Masse). Das reicht idR. völlig für den Heimanwender (schon 6000 ist an sich genug, meiner Meinung nach). Das löst auch das Problem mit den großen Datenvolumina. Wobei das der nächste kritische Punkt ist: Wenn das Datenvolumen pro Monat zu groß ist, liegt es ja nicht an der Dicke der Leitung/ihrem Durchsatz. Das heißt aber im Umkehrschluss, dass eine Drosselung grundsätzlich wie von mir vorgeschlagen eine gleich bleibende Zugangsgeschwindigkeit ermöglicht, auf die man sich einstellen kann. Im Gegenzug dazu ist das Volumen-Drosselungs-Modell der Telekom für den Anweder extrem unkomfortabel, da es von einer kaum ausnutzbaren Geschwindigkeit zu einer unbrauchbaren Langsamkeit umkippt, möglicherweise vorwarnungsfrei.
75 Gigabyte sind doch viel zu wenig!
Im Schnitt verbraucht ein Kunde heute 15 bis 20 Gigabyte (GB). Das geringste integrierte Datenvolumen wird 75 GB betragen. Neben dem Surfen im Netz und dem Bearbeiten von Mails ist dieses Volumen beispielsweise ausreichend für zehn Filme in normaler Auflösung plus drei HD-Filme, plus 60 Stunden Internetradio, plus 400 Fotos und 16 Stunden Online-Gaming.
Die Statistik ist grandios. Was ist normale Auflösung? Mit welchem Codec? 60 Stunden Internetradio – das ist bei 6 Stunden pro Tag 1/3 Monat. Glückwunsch. 400 Fotos – bin ich Hobbyfotograf und tausche mit anderen ebensolchen Fotos aus, ist das schnell weg. 16 Stunden Online-Gaming: Welches Spiel? Ein Text-Adventure? Ein 3D-Egoshooter? Was ist mit Updates für Betriebssysteme, Virenscanner, Java, Flash und Co.? Mann mann mann …
Will die Telekom nicht einfach nur abzocken?
Von Abzocke kann keine Rede sein, die meisten Kunden werden von der Volumenbegrenzung nicht betroffen sein. Vorteil der Volumentarife ist, dass damit in Zukunft nur die Kunden mehr zahlen müssen, die tatsächlich mehr Volumen beanspruchen. Grundsätzlich gilt: Die Telekommunikationsbranche in Deutschland insgesamt verzeichnet sinkende Umsätze. Gleichzeitig stehen Milliardeninvestitionen in den Breitbandausbau an. Es muss für Unternehmen die Möglichkeit geben, mit Investitionen Geld zu verdienen.
Naja, hier ist dann klar, woher der Wind weht: Es geht gar nicht darum, einem Kunden eine avisierte Dienstleistung zu erbringen – es geht um Kohle. Die Umsätze sinken, daher greift man in die Platitüdenkiste und beginnt mit „es muss …“. Bla. Bullshitbingo nenne ich das. Wenn ihr Eure Infrastruktur oder ihren Ausbau nicht mehr bezahlen könnt, weil Ihr jahrelang mit „MEHR POWER!!!!“ geworben habt und Ihr den Traffic jetzt nicht mehr transportieren könnt, ist das nicht mein Problem. Natürlich soll auch Magenta-T Geld mit seinen Investitionen verdienen können. Wenn ich Flatrate kaufe, will ich aber auch Flatrate haben. Meinetwegen „aber dann nur mit 16000er Leitung“, dafür aber ohne Veralberung des Kunden.
Was wird dessen Reaktion sein? Ich denke nicht, dass er mehr Volumen nachkaufen wird – er wird in eine dickere Leitung investieren, sofern verfügbar. Das macht dann wieder mehr Volumen … ein Teufelskreis.
Quelle der Zitate: Fragen und Antworten der Telekom