Die ganze VDS-Nummer wird immer absurder und nebulöser. Vergesst den Unsinn, verbrennt den Quark, streicht die Richtlinie und hört auf, wertvolle Zeit für Scheiße zu vergeuden! Als Bürger weiß man sowieso nicht mehr, wann die EU als Bumann genutzt wird, wann da wieder wer mit wem geschachert hat oder welcher Politiker für sein Ego über Leichen geht. Es gibt ausreichend Gründe gegen die VDS, um die Richtlinie von 2006 nicht umzusetzen. Das haben sogar die Verfasser selber eingesehen und eine Nachbesserung angekündigt. Bessert meinetwegen nach, aber zwingt in der Zeit niemanden, ein von Grund auf kaputtes Konstrukt aus einer Zeit des Überwachungswahns umzusetzen.
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VDS und kein Ende der Engstirnigkeit und Verblendung
Dass die Malmström mir schon lange unsympatisch ist, ist bekannt – und ich bleibe dabei. Dass sich die Parteien mit einem C im Namen auch durchaus mit Leuten in der Öffentlichkeit zeigen, deren Horizont in Sachen Internet und Technikfolgenabschätzung bzw. Abschätzung der Folgen der VDS und ihr Einfluss auf soziale Komponenten und Freiheitsrechte relativ klein ist, auch.
Eine Zusammenfassung:
- EU will schnell Vorratsdaten und kein Quick-Freeze (Golem)
- Kanzlerin drängt Rösler zur Vorratsdatenspeicherung (Golem)
- CDU/FDP: Streit über Vorratsdatenspeicherung geht weiter (heise)
- Panikreaktion auf Toulouse-Morde: Sarkozy droht Besuchern extremistischer Websites mit Gefängnis (gut; wenn ich schreiben würde was ich von dem Typen halte…) (heise)
- Vorratsdatenspeicherung – mit oder ohne Anlass? (tagesschau)
- Ein paar Millionen Euro sollten Bürgerrechte uns wert sein (Zeit online)
- Die Vorratsdatenspeicherung und die üblichen Scharfmacher (Twister bei Telepolis)
Arbeitgeber erzwingen Facebook-Zugangsaten?!
golem.de meldet:
Die Nachrichtenagentur Associated Press (AP) hatte in dieser Woche mehrere Fälle dokumentiert, in denen bei Vorstellungsgesprächen von Bewerbern der Zugang zum Facebook-Profil verlangt wurde, damit der persönliche Hintergrund geprüft werden könne.
Wenn so etwas auch in Deutschland passieren sollte, dann gute Nacht. Ich kann das Interesse der Arbeitgeber durchaus verstehen – für eben diese Frage nach dem persönlichen Passwort zum Facebook-Account müsste man den Personaler aber gleich auf den Mond schießen. Sollte das ganze dann noch mit mehr oder weniger erpresserischen Aussagen wie „naja, es gibt ja noch andere Bewerber als Sie“ gewürzt sein, kann man eigentlich nur noch eine Strafanzeige schreiben und die Presse informieren.
VDS: Die EU macht sich wieder mal unbeliebt
Ganz ehrlich: Diese heise-Meldung zur VDS lässt mich den Kopf schütteln. Die Malmström schreibt tatsächlich den von ihr angedrohten „blauen Brief“ an die Bundesregierung mit der Aufforderung, die VDS umzusetzen. Soll ich lachen? Die sind selber mit dem was sie damals verbastelt haben nicht grün, aber jeder muss es jetzt erstmal umsetzen, so unsinnig es auch sein mag? Sorry Leute, nach dem Glühlampen-Gebastel macht Ihr Euch echt massiv unbeliebt. Ich jedenfalls halte überhaupt nichts von der VDS, es gibt Studien, die keinen nennenswerten Erfolg der VDS gefunden haben und der Kram wurde vom BVerfG gekippt. Reicht das nicht um zu erkennen, dass das Gesetz höchst problematisch ist? Vergesst den Mist, legt es bei Seite und zwingt keine Regierungen, ihre Bürger zu bespitzeln. Kümmert Euch um reale Probleme.
Experiment: Ich bei Facebook
Mal sehen, was kommt. Erster Eindruck: Spontan Freunde gefunden xD!
VDS: Spart viel Geld, wenn man…
… einfach mal den Zinnober weg ließe:
- heise.de: Spiegel: CSU wirft Bundesjustizministerin „Manipulation“ eines Gutachtens zur Vorratsdatenspeicherung vor (11.03.)
- heise.de: Vorratsdatenspeicherung: Liberale weisen „infame Vorwürfe“ der Union zurück (12.03.)
Jetzt mal ehrlich: Dass die Vorratsdatenspeicherung nicht viel gebracht hat, liegt mittlerweile mehr oder weniger auf der Hand. Dass der ganze Spaß sauteuer war und viele Unklarheiten mit sich brachte (die wieder teuer sind), auch. Und da zetern die da wirklich wegen der Kosten für eine Studie und deren Nachbesserung auch nur ansatzweise herum („Geld des Steuerzahlers!“), wenn schon hunderttausende von Euros zum Fenster raus geworfen worden sind?
Ansonsten möchte ich mal urteilen: Wenn man blöderweise in einem Gutachten Argumente gegen die eigene Position findet, diese aber erst durch eine (gar nicht mal so dumm begründete) Nachbesserung Einzug in das Gutachten hielten, bietet es sich natürlich an, „MANIPULATION!!!!!!1!!“ zu brüllen. Wenn die Aussagen im zweiten Artikel korrekt sind, ist aber erstens (und das kommt ja durchaus vor bei Studien) die Fragestellung erweitert worden – und sind zweitens für die CSU-gefällige erste Version quasi ausschließlich von Natur aus pro-VDS eingestellte Personen (Staatsanwälte und Ermittlungsbeamte) befragt worden. Das kann zwar eine Meinungsumfrage sein, sicher aber nicht die Begründung für ein kaputtes Gesetz…
Mal wieder schön, wie sich die Schwarzen selber in die Scheiße reiten. Keine Gegenargumente bringen aber nen Lauten machen… :(.
CeBIT 2012
Während ich es im letzten Jahr völlig vergessen habe über die CeBIT zu bloggen, tue ich das mal jetzt. Das Oberthema: „Managing Trust“ war meinem Empfinden nach nicht ganz so gepusht wie das im letzten Jahr (Cloud Computing); schade, dass die Sicherheit von Kommunikation noch immer nicht so richtig hinterm Ofen hervor lockt – immerhin gab es diesmal auch Trust in Clouds ;).
Na egal; ich habe mir vier Vorträge angehört:
- Systemintegration als Schlüssel (Open Source Solutions: Integration von Komponenten statt komplettem Eigenbau) – inhaltlich gut zusammengefasst mit dem klaren und nachvollziehbaren Fazit, dass man auch im open source-Bereich nicht alles selber machen kann. Schuster, bleib bei Deinen Leisten: Wenn Du Content Management machst, lass die Finger von anderen Dingen sondern nutze bestehende Projekte, schaffe Schnittstellen und Interoperabilität und die Kunden bleiben Dir treu
- Aktuelle Bedrohungslage & IT Security Trends, Malware Trends im Blick (zwei Einzelvortäge im direkten Anschluss) – ich stellte fest, auf dem aktuellen Stand zu sein. Jedenfalls war mir weder neu, dass Botnetze nicht mehr so viel Spam versenden wie früher, noch war mir noch keine Scareware/UKash-Kram untergekommen; dass Social Engineering und Autostart-Mechanismen „funktionieren“ war mir auch klar, insgesamt waren aber beide Vorträge angenehm und lebendig auch für weniger Security-Interessierte als mich. Einzig merkwürdig war, dass die Lacher auf provokante Phrasen nur von denen kamen, die das Thema entweder cool fanden oder nicht wussten, worauf angespielt wurde ;)
- Freie Software für Mobilfunknetze (Open Source Solutions) – Harald Welte erklärte deutlich begeisternd, welche Möglichkeiten es mittlerweile in freien Implementierungen gibt. DECT, GSM und Co. könnten jedenfalls auch ein bisschen mehr Security gebrauchen (nicht dass das neu wäre; der liebevolle Seitenhieb auf die Pläne der Zugüberwachung und -steuerung und was noch so alles über GSM läuft, war aber eindringlich)
Nach den Vorträgen spazierte ich primär durch die Hallen 2 (open source-Vorstellungen), 12 (Security World), 13 (CeBIT life) und Halle 26 (CeBIT lab) und stellte fest, dass sich wenn man es ernst meint ein Ticket für mehr als einen Tag lohnt. Vielen Dank für das echt interessante Gespräch kurz vor Schluss am GINSENG/INGA-Stand der TU Braunschweig. Implementiert AES und Signaturen, dann ist das Ding ne gar nicht so uncoole Nummer!
Zum Drumherum: Die Luft war sehr staubig und trocken. Das ist schwierig zu ändern, vielleicht lässt sich da aber doch mal etwas tun (Ultraschallvernebler oder sowas). Auf dem Gelände gab es Shuttlebusse, die sehr ordentlich gefahren wurden. Die Anfahrt über die Autobahn lief reibungsfrei und das Parkleitsystem respektive zum Abschluss die Einweisung auf dem Parkplatz sowas von geschmeidig, dass ich es fast nicht glauben konnte. Lob an die Orga in diesem Bereich!
Rückblick 2011 (was ich noch aus dem Kopf zusammenkriege): Größter Interessenspunkt auf meiner Seite waren Umweltschutz und Energieeffizienz (dazu gabs auch in diesem Jahr wieder einiges), Security (auch wieder Vorträge in dem Bereich), Smart Home (in Verbindung mit Energieeinsparung, Strompreismodellen und Co.) und open source (Vorträge und allgemein vorhandene Projekte sowohl im Business als auch eher im etwas nerdigen Bereich). Dazu ein großer Dank für die umfassende und echt kompetente Erklärung des Smart Homes und seiner Steuermöglichkeiten auf dem großen Sofa im Wohnzimmer des in der Halle dargestellten Wohnhauses – Kompetenz, Freundlichkeit und gutes Aussehen habe ich selten so kombiniert erlebt.
Nachrichten kommentiert
IT-Sicherheit und Kommunikation:
- BSI: Programmsicherheit per Ampel (heise.de)
- Report: Miserable Kennwörter, schlechter Virenschutz (heise.de)
- Dänischer Polizist sperrt versehentlich 8000 Webseiten (heise.de)
- FBI verlängert Übergangszeit für DNSChanger-Opfer (heise.de)
- VDI: Fachkräftemangel gefährdet IT-Standort Deutschland (heise.de)
Tja hm, was soll man da groß kommentieren? Das mit der Ampel ist zweischneidig, betrachtet man die Kriterien. Das ist aber immer so, wenn man mehrdimensionales in eindimensionales abbildet. Dass Kennwörter eine häufige Schwachstelle sind, ist lange bekannt; Virenscanner können selbst bei heuristischer Suche nicht alles finden – auch nix Neues (aber nicht schlecht, dass es mal wieder gesagt wird). Die Websperren-Nummer ist eh Quark, von daher ist es mal wieder ganz schön, das so beispielhaft demonstriert zu bekommen. Ebenso ist die DNSChanger-Geschichte Quark. Sofort abschalten oder die betroffenen User direkt und ausschließlich auf eine Anzeigeseite leiten. So werden da nur wieder illegal Daten erhoben und ein „Feldversuch“ läuft, für was auch immer. In Sachen Fachkräftemangel tja… dagegen müsste man auch schon seit Jahren etwas tun. Aber alle:
Ein weiteres Problem: Im Schnitt jeder dritte Studienanfänger bringe die Ausbildung nicht zu Ende.
Ob man da, nachdem man einige Jahre lang immer wieder zu dieser Erkenntnis gelangte, mal eingreifen sollte? Ich könnte da Anregungen geben…
Damit sind wir beim nächsten Block:
Gehälter und Arbeitsbedingungen:
- Gehälter in der IT-Branche steigen leicht (Golem)
- Warum IT-Freiberufler keine Äufträge mehr bekommen (Golem)
Auszüge:
Die deutlichste Erhöhung gab es im kaufmännischen Bereich um 4 Prozent für Controller (…) [1]
Überstunden und lange Arbeitszeiten sind durch Projektarbeit und Termindruck in vielen Bereichen der Branche üblich. Das Arbeiten unter ständigem Zeit- und Leistungsdruck gehört zu den am häufigsten genannten Belastungen in der IT-Branche. [1]
Einkäufer legen zudem Wert auf die Möglichkeit, den Preis zu drücken: Freiberuflern, die sich nicht verhandlungsbereit zeigen, kündigen 30 Prozent von ihnen die Kooperation oder arbeiten gar nicht erst mit ihnen zusammen. Bei den Projektanbietern reagieren nur sieben Prozent ablehnend bei fehlender Verhandlungsbereitschaft. [2]
Warum kribbelt es da bei mir im Nacken und ich sehe Ursache und Wirkung?
Frauenquoten:
- EU-Kommissarin stellt Frauenquote vor: Ich mag was Quoten bewirken (taz)
- Stoiber-Tochter klagt ihren Doktor ein (Spiegel online)
- Koch-Mehrin klagt gegen Doktorentzug (Spiegel online)
Ich kombiniere… ich lass es besser. Nein, ernsthaft: Wie man kund tun kann, man möge was Quoten bewirkten aber möge Quoten eigentlich nicht, ist mir schleierhaft. Ansonsten blicke ich bei der Frage nicht mehr durch. Wenn Frauen angeblich so wahnsinnig zum Betriebsklima beitragen und alles viel besser läuft wenn sie mit „am Drücker“ sind, warum sind es dann so wenige? Ist der „Männerfilz“ wirklich so dicht? Warum hat bis heute niemand eine anonyme Studie durchgeführt und die Gründe für die derzeitig geringe Beteiligung von Frauen in höheren Unternehmenspositionen hinterfragt? Ansonsten bin ich arg dafür, hier sehr vorsichtig vorzugehen (wenngleich eine europaweite Regelung ganz sinnvoll scheint): Es ist niemandem damit geholfen, wenn mit der Brechstange Frauen quotiert werden. Das wird Späne geben. Und das kann heftig daneben gehen.
Ex-Präsident Wulff:
- Alt-Präsidenten kommen nicht zum Zapfenstreich (Spiegel online)
- Wulff nimmt mit, was zu holen ist (telepolis)
- Wulff weiß nicht, was er angerichtet hat (Tagesschau)
Dass ich ihn nicht mehr im Amt sehen wollte, tat ich hier ja deutlich kund. Scheinbar entwickeln Politiker aber eine derartige Realitätsferne, dass der angerichtete Schaden auch durch sein Ausscheiden aus dem Amt nur noch größer wurde. Ich finds unmöglich und denke, hier wäre dringender Handlungsbedarf. In Sachen Realitätsferne verweise ich außerdem nochmal auf den vorhergehenden Punkt „Frauenquoten“ und die Doktortitel…
Youtube sperrt vogelgezwitscher
Jo, genau das kommt dabei heraus, wenn automatische Filter irgendetwas zu finden meinen: Der Rechteinhaber oder -verwerter wird immer lächerlicher und mit ihm ein ganzer Wirtschaftszweig. Dabei haben die Urheber eine vernüftige und angemessene Vergütung der von ihnen erstellten Inhalte verdient – nur geht das eben nicht durch ständige automatische Überwachung und Repressalien… wie war das mit Markt-Gleichgewichten und so? Wenn der Preis zu hoch ist, kaufts halt keiner. Wenn die Verpackung nicht auf geht oder anderweitig nervt, auch nicht…
Jetzt erst recht überwachen?!
Das Bundesverfassungsgericht hat einige Punkte des TKG für verfassungswidrig erklärt. Ich habe leider keine Primärquelle für die zitierten Aussagen des Herrn Wendt (zweite Quelle), seines Zeichens Vorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft, gefunden; sollte er dies aber wirklich so von sich gegeben haben, gehört der ziemlich zügig aus seiner Gewerkschaft entfernt. Hat sich der BDK respektive sein Vorsitzender (ja auch berühmt für interessante Ansichten) eigentlich schon geäußert?