Archiv der Kategorie: Politik

Zum aktuellen (Tages-)Geschehen in der Politik

Wulff-Kredite: Schluss mit Lustig

Die Kreditaffäre des ehemaligen Ministerpräsidenten des Landes Niedersachsen und jetzigen Bundespräsidenten Herrn Wulff ist lange genug in den Medien um als bekannt vorausgesetzt werden zu können. Der Spiegel meldet nun erneute Zahlen und Hinweise (auch die taz hat etwas dazu), die mich persönlich immer mehr dazu bringen ganz klar zu sagen: Herr Wulff sollte entweder den Mund weit auf machen oder sein Amt sofort niederlegen. Ausgesorgt hat er sowieso, und auch wenn er dann wieder ein Bezüge-Schwergewicht ist, das wir alle durchfüttern müssen, finde ich sein Verhalten und die vermutliche Vorteilsnahme (auch das wird ja mittlerweile deutlich auch von Staatsrechtlern als Verdacht geäußert) gravierend genug um seinen Rücktritt zumindest für sinnvoll zu halten. Es kann nicht angehen, dass Politiker straflos in die eigene Tasche wirtschaften und hinterher sagen: „Ja aber das war doch ein Freundschaftsdienst, außerdem von wem anders und ist ja dann in einen (nicht ganz so normalen) Kredit gewandelt worden“ und Co. – nicht umsonst bekommen sie keinen Pappenstiel von Geld für ihre Arbeit: Das ist auch so, um Bestechlichkeit zu verhindern.

Bestochen, das möchte ich betonen, wurde hier vermutlich niemand – über eine sechsstellige Summe, die jemand beim Kauf eines Hauses hat letztendlich (unter Berücksichtigung der Kreditlaufzeit und -konditionen) SPAREN können, sollte man aber deutlich anders sprechen als das geschehen ist. Da helfen auch kein gesetztes Auftreten und Bedauerns-Beteuerungen mehr, verarscht ist verarscht.

Nachschlag taz.de vom 01.01.2012: Die Daten passen alle nicht, VW&Porsche-Gemunkel (Gerüchte, es wird sich zeigen was dran ist…)

(Viele) Stipendien sind Mist

Tja, so siehts aus, die taz zum Deutschlandstipendium.

Ich persönlich halte die meisten Förderungsansätze in Sachen „Stipendium“ sowieso für Murks. Die, die sich wirklich schnell durchs Bildungssystem friemeln, brauchen die Förderung in mehr als 99% der Fälle vermutlich eh nicht. Die, die länger brauchen, kriegen eh nix. Und die, die vielleicht was kriegen könnten, studieren lieber als sich mit den Bedingungen herum zu schlagen, arbeiten nebenbei oder brechen ab.

Fazit: Studiengebühren abschaffen, die Kohle statt für Stipendien an einzelne für die Zwecke der Studiengebühren einsetzen = mehr Bildung unter besseren Bedingungen für alle.

Hochschulzulassungs-Generationenverschleiß

Dass bei manch Informationsseiten von Uni-Prüfungsämtern nicht alles ganz einfach ist, ist ja schon verbloggt. Dass die zentrale Hochschulzulassung nicht rund läuft, haben Zeitungen schon seit Monaten und Jahren geschrieben – jetzt wars der nächste Rohrkrepierer für viel Geld. Und da frage ich mich ganz ehrlich: Denkt denn hier niemand an „unsere Kinder“ oder schaut bei IT-Projekten der öffentlichen Hand mal genauer hin? Im Bildungssystem wird Generation für Generation auf diese Art ausgebremst und mürbe gemacht, und dann fragen wir uns, woher ein mehr oder weniger ausgeprägter „Fachkräftemangel“ kommt?

Der Spiegel hat auch was.

GEZ auch für Menschen ohne Fernseher

Golem.de zur Haushaltsabgabe ab 2013

Kommentar: Nunja, prinzipiell bin ich Befürworter einer Pauschal-Lösung pro Haushalt. Ich persönlich halte es für gerechter und weniger bürokratisch-aggressiv (nötigend) als die bisherige Regelung. Dass es allerdings beim „großen“ Beitrag von fast 18 EUR pro Monat bleibt, finde ich unangemessen hoch. Außerdem wird mit der Pauschal-Abgabe eine Grenze zur Erhebung einer Steuer überschritten, so dass keine Anpassung irgendwelcher Staatsverträge, sondern des Steuerrechts hätte stattfinden müssen – mit allen Konsequenzen.

Schlussendlich habe ich mit der pauschalen Regelung das Problem, dass sie für mich als Konsumenten keinerlei ernst zu nehmende Auswirkungen hat. Ich muss ab sofort „immer“ und „komplett“ bezahlen, erhalte aber weder einen Mehrwert noch eine ernst zu nehmende Grundversorgung (die derzeit im ör-TV laufenden Benefizgalen für $SPENDENSIESCHAUENSIEDIEARMENKINDER kann man ja nicht als Grundversorgung bezeichnen). Sicherlich ist das in gewisser Form auch eine Geschmacksfrage, nur müsste dieser halt besser sein als der von 18 EUR/Monat…

ACTA und die merkwürdigen Sichtweisen

heise.de: EU-Rat segnet Anti-Piraterie-Abkommen ACTA ab

Nein, es geht nicht um Piraten, die Schiffe überfallen. Es geht um Urheberrechte, was auch sonst. Die Wege sind allerdings wieder spektakulär:

Ohne weitere Aussprache haben die Landwirtschaftsminister in Brüssel im Agrar- und Fischereirat am Freitag das umstrittene Anti-Piraterie-Abkommen ACTA abgenickt.

Landwirtschafts- und Fischereiminister haben über Abkommen zu digitalen Gütern entschieden?! Wie war doch gleich das unsägliche Sperrgesetz namens ZugErschwG durchgepeitscht worden? Genau, es wurde nicht dem Innenressort oder der Justiz, sondern dem Wirtschaftsausschuss zur Erarbeitung gegeben. Ein Schelm, wer da an Parallelen denkt, wenn er außerdem liest:

Der EU-Rat interpretierte das vor allem von führenden Industriestaaten weitgehend hinter verschlossenen Türen ausgehandelte Anti Counterfeiting Trade Agreement als nicht-legislative Maßnahme, sodass es nach einigem Hin und Her bei einer beliebigen Sitzung des Ministergremiums abgesegnet werden konnte.

Ich interpretiere demnächst auch so einiges mal anders als das gedacht war oder Folgen hat und berufe mich darauf. Die letzten Hoffnungsschimmer gibt es aber noch:

Allerdings muss das EU-Parlament noch zustimmen, bevor sich die Mitgliedsstaaten an eine Umsetzung der Vorgaben machen könnten. Auch den Bundestag wird ACTA noch beschäftigen.

Hoffen wir das Beste und erwarten wir das Schlimmste.

(Alle Zitate aus dem verlinkten Heise-Artikel)

Weitere Links:

Koch-Mehrin versucht ihren Doktor zurückzuklagen

Sueddeutsche Zeitung: Koch-Mehrin will Doktortitel einklagen

Ich fasse es nicht. Der Baron berät die EU in Sachen Internetfreiheit und die Koch-Mehrin entblödet sich nicht, obwohl sie selber sagt, ihre Arbeit wäre nicht besonders gelungen, den Titel vor Gericht „zu erstreiten“. Das könnte noch interessant werden. Woher kommt eigentlich dieses in meinen Augen vollkommen weltfremd-blinde Verhalten? Ist das eine Form von Geltungssucht, Mediengeilheit oder was? Da hat eine Kommission entschieden, den Titel abzuerkennen. Begründet. Dagegen wurde begründeter Widerspruch eingelegt – vollkommen korrekt. Danach wurde erneut geprüft und erneut entschieden, dass die Aberkennung des Doktortitels richtig war. Merkwürdig, dass sich sowas bei Politikern häuft…

KEF, GEZ, Steuer, Selbstdefiniertheit und Ignoranz

ZDF ignorierte Sparvorgaben der Gebührenprüfer – ich würde ja sagen: Aus die Maus mit dem Gebühren-Selbstbedienungsladen. Wird aber sicher nix. Schade.

Ach, wo wir gerade bei einem artverwandten Thema sind: Beschlagnahmte US-Domain nach einem Jahr zurück gegeben (heise.de) – war beschlagnahmt wegen angeblicher Urheberrechtsverletzungen. Akten gibt es nicht, alles Verschlusssache und meeega geheim, daher gabs die Domain nach einem Jahr zurück. Lesenswert.

Malmström-Irrsinn: Geldstrafe angekündigt wegen fehlender VDS

golem.de: EU-Kommissarin kündigt Deutschland Geldstrafe an – es gibt wenige Menschen die mir unsympatischer sind als diese Frau. Begriffen hat sie nix, „das ist jetzt Gesetz dass muss jetzt umgesetzt werden, allem Gegenwind zum Trotz, sonst wird bezahlt“. Wenn man mal nicht weiter weiß… naja, sie passt da ganz gut zur vdL. Die vertragen sich sicher gut.

Nun, mal schauen was in Sachen Vorratsdatenspeicherung noch so auf uns zu kommt – beim „rechten Terror“ hat die ja auch gefehlt, beim islamistischen Terrorismus ist man da irgendwie weiter, warum und wie auch immer (so genau will ichs glaube ich gar nicht wissen). Ich hoffe, der ganze Mist platzt, denn auf Vorrat derartige Datenberge über vorrangig Unschuldige anzuhäufen halte ich für absolut kontraproduktiv. Und dass Mörder 13 Jahre frei herum laufen könnten, weil keine Vorratsdaten existierten, braucht mir auch niemand zu verkaufen.

weiterer Link: sueddeutsche.de

Zugangserschwerung im Quadrat

Das ZugErschwG ist Geschichte – und das ist gut so. Die Datensammelwut in Dresden nicht – und das ist nicht gut.

Mein Fazit: Gut, dass die unsägliche vdL-Hinterlassenschaft im Reißwolf gelandet ist. Hier wurde extrem viel Geld für Altpapier verbrannt, was mit etwas weniger Arroganz und etwas mehr Menschenverstand und weniger Engstirnigkeit und Polemik hätte gespart werden können. Im Gegenzug dazu würde ich annehmen, dass die Verantwortlichen in der Datenaffäre in Dresden sowas von zügig ihrer Ämter enthoben und in Zivil- und Strafverfahren verurteilt werden, dass ein Blinzeln noch schnell ist… wie kann sowas so lange geschehen unter den Augen von Datenschützern und Innenministern und ohne Konsequenzen bleiben?!